Arbeitssicherheit für Bühne, Musik und Kultur
Ein Stadttheater, ein privates Konzerthaus und ein freies Ensemble haben dieselben Grundpflichten, aber nicht immer denselben Unfallversicherungsträger: Je nach Trägerschaft ist es die VBG oder eine Unfallkasse der öffentlichen Hand. Für Bühne, Orchestergraben und Probenräume kommt eine eigene Unfallverhütungsvorschrift hinzu, die vieles regelt, was im Büro keine Rolle spielt.
- Bühne, Musik & Kultur
Wichtig: Ein Kulturbetrieb ist kein reiner Bürobetrieb. Die Betreuungsgruppe richtet sich nach dem Wirtschaftszweig: darstellende Kunst liegt in Gruppe III, der Betrieb von Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen und Dienstleistungen für die darstellende Kunst in Gruppe II. Für Bühnen und Produktionsstätten gilt zusätzlich die DGUV Vorschrift 17, bei Trägern der öffentlichen Hand die DGUV Vorschrift 18.
Zwei Takte im Kulturbetrieb: Verwaltung und Vorstellung
Die Verwaltung arbeitet zu Bürozeiten. Auf und hinter der Bühne wird dagegen gebaut, geklettert und eingeleuchtet, und zwischen zwei Vorstellungen muss der Umbau schnell gehen, meist abends oder am Wochenende.
Welche Stelle für die Unfallversicherung zuständig ist, richtet sich nach der Trägerschaft. In der Satzung der VBG stehen Theater, Museen sowie Künstlerinnen und Künstler der Bereiche Wort, Musik, bildende und darstellende Kunst. Staats- und Landestheater, städtische Bühnen und kommunale Veranstaltungsstätten sind dagegen in der Regel bei einem Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand versichert, in Hessen etwa bei der Unfallkasse Hessen. Entsprechend heißt die Unfallverhütungsvorschrift für Veranstaltungs- und Produktionsstätten bei den Berufsgenossenschaften DGUV Vorschrift 17 und bei den Unfallkassen DGUV Vorschrift 18. Beide erläutert dieselbe DGUV Regel 115-002.
Für Orchester kommt Lärm hinzu. Im Graben und im Probensaal können Pegel entstehen, bei denen die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung greift. Wird ein Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) überschritten, muss der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen. Ab 85 dB(A) muss er dafür sorgen, dass die Beschäftigten ihn tragen. Welche Plätze betroffen sind, zeigt erst die Ermittlung der Lärmexposition je Platz, denn Blech, Schlagwerk und die Akustik des Grabens verteilen den Schall ungleich.
Theater, Orchester und Spielstätten: Zuordnung und Schwellen
| Merkmal | Kulturbetrieb |
|---|---|
| Unfallversicherungsträger | Privat getragene Theater, Orchester und Ensembles: VBG. Staats-, Landes- und Stadttheater: in der Regel ein Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand. Maßgeblich ist der Mitgliedsbescheid. |
| WZ 90.01 Darstellende Kunst | Betreuungsgruppe III, ab mehr als 20 Beschäftigten 0,5 Stunden Grundbetreuung pro Beschäftigtem und Jahr, gemeinsam für Fachkraft und Betriebsarzt, je Seite mindestens 20 Prozent |
| WZ 90.04 Betrieb von Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen | Betreuungsgruppe II, ab mehr als 20 Beschäftigten 1,5 Stunden Grundbetreuung pro Beschäftigtem und Jahr |
| WZ 90.02 Dienstleistungen für die darstellende Kunst | Betreuungsgruppe II, etwa für selbstständige Bühnentechnik und Ausstattung |
| Unfallverhütungsvorschrift für Bühne und Graben | DGUV Vorschrift 17, bei Trägern der öffentlichen Hand DGUV Vorschrift 18 |
| Lärm im Graben und im Probensaal | Gehörschutz bereitstellen bei Überschreiten von 80 dB(A), Tragen sicherstellen ab 85 dB(A) (LärmVibrationsArbSchV) |
| Mehr als 20 Beschäftigte | Arbeitsschutzausschuss, Sitzung je Kalendervierteljahr (§ 11 ASiG) |
| Bis 50 Beschäftigte | Unternehmermodell als Alternative zulässig. Mehr als 50: Regelbetreuung. Bei Unfallkassen gilt das Unternehmermodell nur, wenn deren Fassung der DGUV Vorschrift 2 es vorsieht. |
Welcher Wirtschaftszweig gilt, richtet sich nach dem Schwerpunkt des Betriebs. Ein Ensemble, das selbst spielt, zählt zur darstellenden Kunst. Ein Haus, das vor allem Bühne und Saal für Gastspiele bereitstellt, gehört eher zum Betrieb von Kultureinrichtungen. Mitgezählt werden alle angestellten Beschäftigten, auch Abenddienst, Garderobe und Aushilfen in der Technik. Teilzeitkräfte zählen für die Schwelle von 20 anteilig: bis 20 Wochenstunden mit 0,5, bis 30 mit 0,75.
Vier Gefährdungen, die Bühne und Konzertbetrieb prägen
- Auf- und Abbau unter Zeitdruck. Umbauten zwischen Vorstellungen sind der Zeitraum mit der höchsten Unfalldichte. Absturz, Lasten über Personen und Quetschstellen sind hier die bestimmenden Gefährdungen und nicht der Bildschirmarbeitsplatz.
- Arbeiten in der Höhe. Beleuchtungsbrücken, Traversen, Züge und Leitern. Wer dort arbeitet, braucht eine eigene Unterweisung und, wo nötig, eine arbeitsmedizinische Vorsorge.
- Getrennte Bereiche, getrennte Beurteilung. Verwaltung, Bühne, Werkstätten, Fundus und Gastronomie sind verschiedene Arbeitsbereiche. Eine gemeinsame Beurteilung für das ganze Haus greift in keinem davon.
- Schichtlagen und Publikumsverkehr. Abend- und Wochenendarbeit betrifft die Ruhezeiten, Publikum im Haus betrifft Flucht- und Rettungswege sowie die Zahl der nötigen Ersthelfer, die sich nach den Anwesenden richtet.
Orchestergräben brauchen nach § 13 DGUV Vorschrift 17 mindestens zwei entgegengesetzt liegende Rettungswege, und Proben- und Stimmräume müssen so gestaltet sein, dass vermeidbare gesundheitsschädliche Einwirkungen ausbleiben. Beides gehört zur Begehung, auch wenn der Graben nur zu einzelnen Produktionen geöffnet wird.
Was bei der Begehung eines Theaters oder Konzerthauses auffällt
Im Verwaltungstrakt fällt wenig auf. Beanstandet werden regelmäßig der Fundus und die Werkstätten: Material über Kopfhöhe, zugestellte Wege, Regale ohne dokumentierte Prüfung. Dazu kommt die Frage, wer abends und nachts allein im Haus arbeitet und wie ein Notfall bemerkt würde. Im Papier fehlt meist die getrennte Beurteilung der Bereiche.
Unterweisung für Ensemble, Technik und Gäste
Die Unterweisung läuft nach Bereich und nach Produktion. Der Bereichsteil deckt die dauerhaften Gefährdungen ab, der Produktionsteil das konkrete Bühnenbild: Wo wird geklettert, was hängt über Personen, wo sind Quetschstellen, wie läuft der Umbau. Gastspiele und externe Gewerke brauchen eine eigene Einweisung, bevor sie das Haus betreten.
Zwei Vorgaben der DGUV Vorschrift 17 gehören in jede Produktion (§§ 15 und 20). Proben und Vorstellungen beginnen erst, wenn die aufsichtführende Person die Szenenfläche freigegeben hat. Künstlerische Wünsche an Dekoration und Darstellung werden nicht umgesetzt, wenn die Bühnenfachkraft aus Sicherheitsgründen widerspricht.
Passend dazu
- Externe Fachkraft für Arbeitssicherheit: Betreuung für Häuser mit Verwaltung, Bühne und Werkstätten.
- Arbeitssicherheit für Rundfunk, Film und TV: Produktion vor Kamera und Mikrofon statt auf der Bühne.
- Arbeitssicherheit für Design- und Kunstbetriebe: Für Ateliers und Werkstätten mit Angestellten.
- Anzahl Brandschutzhelfer und Ersthelfer: Alle Schwellen im Überblick.
- Einsatzzeiten nach DGUV Vorschrift 2 berechnen: Wie Gruppe II und Gruppe III die Stunden verändern.
- ASA-Terminplaner: Vier Sitzungen im Jahr neben dem Spielplan einplanen.
Rechtsgrundlagen
- DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“
- Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG)
- DGUV Vorschrift 2 „Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit“
- Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)
Häufige Fragen
Ist ein Stadttheater bei der VBG versichert?
In der Regel nicht. Ein Theater in städtischer Trägerschaft ist bei einem Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand versichert, in Hessen zum Beispiel bei der Unfallkasse Hessen. Dasselbe gilt für Staats- und Landestheater und für kommunale Veranstaltungsstätten. Zur VBG gehören dagegen privat getragene Theater, Orchester und Ensembles. Maßgeblich ist der Mitgliedsbescheid.
Brauchen Orchestermusikerinnen und -musiker eine arbeitsmedizinische Vorsorge wegen Lärm?
Das hängt von der ermittelten Belastung ab. Wird ein Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) überschritten, muss der Arbeitgeber eine Vorsorge anbieten, ab 85 dB(A) ist die Vorsorge Pflicht (ArbMedVV). Die dämmende Wirkung des Gehörschutzes wird dabei nicht abgezogen. Beauftragt wird damit vorrangig der Betriebsarzt.
Was gilt, wenn ein fremdes Ensemble im Haus gastiert?
Vor dem Gastspiel muss festgelegt werden, wer Leitung und Aufsicht hat (§ 15 Abs. 2 DGUV Vorschrift 17). Außerdem sollte das gastierende Ensemble seine Aufbauten und szenischen Abläufe vorab beschreiben, und das Haus sollte die Gäste zu Fluchtwegen, Brandschutz und Hausregeln unterweisen, bevor sie die Bühne betreten.
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